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herrlich befreiendes Spottgedicht
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Dass eine Freundin über Heinrich Heine verbreitete, er sei nicht der Hellste gewesen, kann man als üble Nachrede deuten. Schwerer wiegt Karl Kraus' berühmter Vorwurf, Heine habe der "deutschen Sprache das Mieder geöffnet", wenn auch unklar ist, was am Öffnen eines Mieders eigentlich negativ sein soll. Wenn es denn so ist: gottseidank, muss man sagen, hat er es getan. Deutlich ist, dass Heine nicht gerade zu den elaboriertesten Sprachkünstlern gehört. Fans werden natürlich behaupten, das sei alles gewollt, aber die Unbedarftheit mancher Verse auch im "Wintermärchen" ist nur mit Augenklappen zu übersehen. Aber was solls? Dass Heines gereimte "Winterreise" zu den bedeutendsten deutschen Dichtungen gehört, hat nichts mit der Sprache, sondern mit dem Inhalt zu tun. Das "Wintermärchen" ist kein Werk sprachlicher Raffinesse oder gedanklichen Tiefgangs, sondern ein einzigartiges und auch heute noch herrlich befreiendes Spottgedicht auf den Pfaffen- und Untertanenstaat, das preußische Militär und auf die Duodezfürstentümerei des Vormärz und ein einzigartiges Zeugnis des deutschen Liberalismus, von dem man hoffte, es hätte geholfen. Nebenbei macht Heine auch den alten Barbarossamythos lächerlich. Trefflich porträtiert der Autor einige Stadtbilder des vorrevolutionären Deutschland und vielleicht haben seine Verse auch den einen oder anderen zu revolutionärem Tun angestachelt. Die Leichtigkeit und die Frechheit beispielsweise, mit dem Heine seinen Umgang mit den Reliquien im Kölner Dom schildert und dem traditionsbehafteten Gebäude eine Zukunft als Pferdestall weissagt, machen das Werk auch heute noch brandaktuell und als Spottdichtung einzigartig. Nach dem Lesen des Wintermärchens wird klar, dass Deutschland ein bisschen weniger Goethe und Schiller, dafür aber etwas mehr Heine, wahrscheinlich politisch gut getan hätte.
Eine Rezension von helmut seeger "liberaler" > karlsruhe
vom 18. März 2010 |